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HIV-Reimportskandal

Ein Medikamentenskandal schockiert Europa. HIV-Medikamente der Firma GlaxoSmithKline, die für den afrikanischen Markt gedacht waren und dort für 10-25 % der normalen Preise an Hilfsorganisationen verkauft wurden, sind zum Teil illegal nach Europa reimportiert worden. Aufgedeckt wurde der Skandal in Holland. Dort betraf es eine relativ kleine Menge der Medikamente Combivir (3642 Verpackungen) und Epivir (2424 Verpackungen). Der größte Teil der Medikamente wurde jedoch anscheinend in Deutschland vertrieben. Neben Epivir und Combivir betrifft es das Medikament Trizivir. Insgesamt sind Medikamente im Werte von mehr als 18 Millionen Euro nach Europa reimportiert worden, etwa ein Viertel des für das südliche Afrika bestimmten Comibivirs erreichten nicht die Patienten. Insgesamt 3 Millionen Dosen sind betroffen. GlaxoSmithKline geht jedoch davon aus, dass bei den betroffenen Medikamentenkeine Sicherheitsbedenken bestehen, wenn eine ordnungsgemäße Lagerung und Transport sichergestellt war. Deutsche Gerichte haben den Verkauf und Handel mit den entsprechenden Chargen verboten.. Aufgrund der besonderen Förderung von Reimporten ist der Bedarf an reimportierten Medikamenten in Deutschland wesentlich größer, was ein Grund dafür ist, dass Deutschland besonders betroffen ist. Abgesehen von den Folgen in Afrika, wo die benötigten Medikamente nicht bei den Patienten ankamen, gibt es Hinweise auf die Lieferwege; allerdings ist die Qualität der Transporte nicht prüfbar. Das holländische Gesundheitsamt (Inspectie voor de Gezondheidszorg) hat einen Rückruf der betroffenen Chargen wegen der Illegalität des Importes angeordnet. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass die betroffenen Chargen nicht unter dem Transport gelitten haben. Außerdem wurden internationale Abmachungen gebrochen, die es den Ländern in Afrika erst ermöglichen, HIV-Medikamente zu einigermaßen akzeptablen Preisen zu erhalten, was Angesichts der HIV-Pandemie im südlichen Afrika mehr als notwendig ist. Besorgniserregend ist der Zeitpunkt, seit dem diese Machenschaften andauern. Bereits seit Juni 2001 wurden die illegalen Reimporte durchgeführt. Eine Deutsche Reaktion ist noch nicht erfolgt. Die entsprechenden Behörden sind noch in der Entscheidungsfindung. GlaxoSmithKline selbst hat mittlerweile die deutschen HIV-Organisationen informiert und den Behörden die Chargen der betroffenen Medikamente durchgegeben.

eingestellt am 04.10.2002
Autor: Stefan Reck / Berlin
 

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