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Straßen-Mob

Besorgt sind die VeranstalterInnen des Europrides in Köln (15.6.-7.7.02) von KLuST e.V. über Kölns Rechtsradikale. Die rechtsgerichtete Initiative 'Pro Köln' will mit einer Mahnwache am Samstag, 6.7.02, gegen den Zug der Lesben und Schwulen durch Kölns Innenstadt protestieren. In dem Fortschreiten der Gesellschaft in Sachen Toleranz gegenüber Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle erkennen die übrig gebliebenen Moralapostel aus Dunkeldeutschland einen Werteverfall. Dabei bedienen sich die SittenhüterInnen auch der Personen, die sich in der Vergangenheit negativ gegen Lesben und Schwule geäußert haben: "Mit dieser Mahnwache soll ein 'Aufstand der Anständigen' gegen den Werteverfall in unserer Gesellschaft organisiert werden. Pro Köln wird gegen die Legalisierung der Homo-Ehe, gegen die Verschwendung von Steuergeldern für den CSD und gegen das öffentliche Zur-Schau-Stellen homosexueller Sexualpraktiken im Herzen von Köln anlässlich des CSD demonstrieren. Ausdrücklich begrüßt pro Köln die erfrischend klaren und politisch nicht 'korrekten' Erklärungen des Kölner Kardinals Meisner zu dieser Thematik. Kardinal Meisner wird ganz herzlich eingeladen, sich an dieser Mahnwache wider den Werteverfall zu beteiligen", lautet es da im Internet-Auftritt bei 'Pro Köln'. Auf gleicher Seite distanziert man sich von Möllemann, der gegenüber der FDP und den Juden "eingeknickt" sei und "nicht die Kraft hatte, die Sache durchzustehen". Die dumpfen Vorurteile und die tief sitzende Abneigung gegen Minderheiten, die auch in den vergangenen Wochen das Bild von den Deutschen im Ausland getrübt hatte, könnten der Ausgangspunkt von Gewalt z.B. gegen Schwule und Lesben sein. Offensichtlich ist es wieder "in", sich aufzuplustern und Minderheiten abzufertigen. Jetzt werden wieder Rufe laut wie "ihr Homo-Kommunisten! - Geht doch rüber in die Sowjetunion!" oder "ihr gehört doch alle vergast!". Gegen diesen dumpfen Volkshass, der sich nur in einer kleinen radikalen Minderheit widerspiegelt, wollen die VeranstalterInnen von KLuST noch stärker die politischen Forderungen formulieren und alle demokratischen Kräfte dazu auffordern, sich gegen die neue Stimmungsmache von Rechts zusammenzuschließen. So hat sich bereits die Gruppe 'Queergestellt' gegründet, die sich den rechten DemonstrantInnen von 'Pro Köln' entgegenstellen will. Dazu erklären Knut Dannat und Markus Danuser, Vorstandsmitglieder des KLuST: "Wir sind froh und dankbar, dass sich das Bündnis 'Queergestellt' den rechten Demonstranten der Initiative Pro Köln entgegenstellt und damit ein Zeichen für das Selbstbewusstsein und den Kampfeswillen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender beim Eintreten für ihre Rechte und gegen Rechtsextremismus setzt. Als Veranstalter des Europride werden wir die Arbeit des Bündnisses unterstützen. Gleichzeitig werden wir auf allen unseren Veranstaltungen die politischen Gefahren, die von unseren Gegnern ausgehen, benennen und zugleich alle TeilnehmerInnen und BesucherInnen motivieren, sich aktiv mit der Bedrohung durch rechtsradikale Kräfte auseinanderzusetzen und ganz persönlich etwas dagegen zu tun." Zu verantworten haben diese Situation auch und vor allem jene PolitikerInnen und VertreterInnen, deren Inhalte eng mit der Diskriminierung einhergehen. Deren Äußerungen verführen Teile der Gesellschaft dazu, sich mutig und stark zu fühlen, um dann gewalttätig und oftmals feige aus dem Hinterhalt gegen Lesben und Schwule vorzugehen. Doch Verantwortung für diese Stimmungsmache wollen sie dann nicht übernehmen.

eingestellt am 14.06.2002
Autor: Ralph Hoffmann / Nürnberg
 

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Stefan